Es ist heiß, die Vorbereitungslage ist mindestens diskutabel – und trotzdem steht plötzlich Glenglassaugh auf dem Tisch. Oder Glenglassau. Oder Glenglass-augh. Ganz einig sind wir uns am Anfang nicht, aber immerhin passt der Name verdächtig gut zu Grab The Glass. Auch wenn das „Glass“ darin leider nichts mit unserem Glas zu tun hat.
Christian hat zwei Abfüllungen der schottischen Highland-Destillerie mitgebracht: den Glenglassaugh Evolution und den Glenglassaugh Torfa. Der eine knüpft mit seinen First-Fill-Tennessee-Whiskey-Fässern noch ganz hübsch an unsere letzte Brown-Forman-Folge an, der andere sorgt schon vor dem Einschenken für leichte Fluchtgedanken. Schließlich steht da Torfa drauf – und manche Menschen reagieren auf Rauch im Whisky ungefähr so entspannt wie andere auf Pizza Hawaii.
Hendrik nimmt uns vorher mit durch die ziemlich wechselhafte Geschichte der Brennerei: gegründet 1875, mehrfach verkauft, lange geschlossen, im Zweiten Weltkrieg zweckentfremdet, später wiederbelebt und irgendwann bei Brown-Forman gelandet. Dazu gibt es die übliche Mischung aus Fakten, Abschweifungen, Flaschenverschluss-Kompetenz und der Frage, ob ein Imagevideo mit plätscherndem Wasser eigentlich eine Schleife ist.
Im Glas geht es dann von hell, frisch und ziemlich zitruslastig hinüber zu Rauch, Speck, Torf und der Grundsatzfrage, ob „mild rauchig“ wirklich mild ist, wenn man Rauch grundsätzlich nicht bestellt hat. Außerdem: ein möglicher Barista-Exkurs, ein „Ring of Zitrus“, sehr viel Highland-Verwirrung und eine kleine Vorschau auf eigene Fass-Spielereien mit Moscatel und Port.
Grab the glass!
Heute aus dem Glenglass-augh
- Glenglassaugh Evolution
- Glenglassaugh Torfa
Glenglassaugh Evolution
- helle Gerstensüße mit frischer Zitrone
- etwas Vanille, aber weniger karamellig als erwartet
- fruchtige Anklänge von Ananas und karamellisierter Birne
- ein Hauch Backstube, Teig und Safran
- insgesamt eher frisch, leicht säuerlich und sommerlich
- würzige Fruchtaromen mit Melone und hellen Trauben
- Vanille und tropische Noten bleiben im Hintergrund
- der Rauch zieht sich etwas zurück, bleibt aber hinten spürbar
- eher warmrauchig als aschig
- mittellang bis lang, mit leicht salziger Speckrauch-Note
- malzig, warm und leicht vanillig
- klassische Eichennoten mit heller Fruchtsäure
- anhaltende Zitrusfrische, die sich wie ein Ring über die Zunge legt
- zum Schluss etwas Pfeffer beziehungsweise Zitronenpfeffer
Glenglassaugh Torfa
- warmer Highland-Rauch mit rußigem Lagerfeuer
- deutlich speckig, fast wie Frühstücksbacon
- etwas Kohle, aber nicht medizinisch oder teerig
- Aprikosenmarmelade und tropische Früchte im Hintergrund
- Ingwer, Pfeffer und eine leichte salzige Rauchkante
- startet überraschend süß und fruchtig
- Melone, kandierte Schale und etwas BBQ-Ananas
- danach kommt der Rauch, aber eher weich als brachial
- Bacon-artige Würze mit leicht salzigem Einschlag
- etwas Karamell, wobei Süße und Rauch nicht für jede Zunge perfekt zusammenpassen
- Holzspäne
- Trockenfrüchte
- Trauben
- Vanille
- kurzer Abgang