Es wird wieder amerikanisch, es wird weizig und vor allem wird es optisch verwirrend. Haben wir da Whisky auf dem Tisch oder bereiten wir uns auf den Chemieunterricht vor? Hendrik und Silvi haben aus Louisville Mitbringsel eingeschmuggelt, die verdächtig nach Reagenzgläsern aussehen – oder wie man es wohl edel nennt: Flacons aus Frankreich.
Wir starten den Bunsenbrenner für den Bernheim Original. Ein Wheat Whisky, dessen Firmengeschichte aus mehr Bränden, Steuerstreitigkeiten und Abrissbirnen besteht als eine Staffel Dallas. Während Hendrik referiert, warum Heaven Hill plötzlich Bernheim ist, plant Silvi bereits das Abendessen: Aufgrund der deutlichen Paprikanote eignet sich dieser Tropfen anscheinend hervorragend für das nächste Chili con Carne.
Danach wird es kriminell mit dem Larceny. Wir entlarven den Mythos um John E. Fitzgerald. Spoiler: Er war kein genialer Master Distiller, sondern ein durstiger Steuerbeamter mit einem Schlüssel zu den besten Fässern im Lagerhaus. Ein Whisky, benannt nach Diebstahl, der uns mit Noten von Kirschbonbons (die, die keiner wollte, oder doch?) in tiefste Kindheitserinnerungen stürzt und farblich an Prinzessin Peach erinnert.
Außerdem erfüllen wir unseren Bildungsauftrag und klären endlich, warum Reagenzgläser unten rund sind.
Das Labor-Lineup
- Bernheim Original Kentucky Straight Wheat Whiskey
- Larceny Small Batch Kentucky Straight Bourbon Whiskey
Bernheim Original Kentucky Straight Wheat Whiskey
- warmes Getreide, leicht „biskuitig“ (wie helle Kekse)
- Vanille und ein Schuss Honig
- Toffee / Karamell, eher weich als schwer
- dezente Fruchtnoten (helle Beeren, ein Hauch Steinobst)
- trockenes Holz, sanft geröstete Eiche
- cremig-süß, mit Vanille-Karamell als Grundton
- weizige Brotkruste / helles Toast, mild und rund
- Toffee, etwas Ahornsirup-Anklang
- leichte Würze (Zimt, ganz zart Muskat)
- fruchtige Nuance im Hintergrund (hell, nicht „saftig“)
- mittellang, warm und angenehm
- geröstete Eiche wird präsenter, ohne bitter zu werden
- süße Noten klingen nach (Honig/Toffee)
- feine Gewürzwärme bleibt am Gaumen
- am Ende etwas trockener, „holziger“ Ausklang
Larceny Small Batch Kentucky Straight Bourbon Whiskey
- viel Süße direkt vorneweg: Honig und Karamell
- Butterscotch / „Butterbonbon“-Vibe
- frisches Toastbrot bzw. helle Backwaren
- Vanille und ein Hauch Orangenschale
- leichte Eiche, sanft geröstet
- butterig-weich, fast wie Karamellsauce
- Honig, Toffee, Vanille – klar dessertig
- dezente Würze (Zimt/Backgewürz), eher mild
- leichte Nussigkeit (geröstete Mandeln)
- Eiche hält das Ganze zusammen, ohne zu dominieren
- eher lang und „smooth“, mit anhaltender Süße
- Karamell & Honig bleiben am längsten
- zum Ende hin etwas würziger (Backgewürz, minimal Pfeffer)
- sanfte Eiche/trockene Holznoten kommen nach
- warmes, leicht süß-salziges Finale (ohne scharf zu werden)