Eigentlich wollten wir Hendrik mit dem Thema Kastanienfass noch ungefähr 77 Folgen schmoren lassen. So wie damals beim Dinkelwhisky. Aber Silvi hatte offenbar Mitleid – und deshalb ist Folge 226 eben eigentlich schon Folge 303. Zeitreisen können wir jetzt also auch.
Passend dazu stehen diesmal zwei deutsche Whiskys von der Destillerie Jobst aus Hammelburg auf dem Tisch. Der erste ist ein sechs Jahre gereifter Single Malt, dessen Bestandteile ihre Zeit in Rum-, Bourbon- und Sherryfässern verbracht haben. Schon ungewöhnlicher, aber noch halbwegs vertrautes Terrain. Kandidat Nummer zwei macht dann Schluss mit der Normalität: eine Einzelfassabfüllung mit neun Jahren Kastanienfassreifung und 52,3 Prozent.
Und wenn irgendwo ein ungewöhnliches Holzfass auftaucht, dauert es bei uns bekanntlich nicht lange, bis daraus eine kleine Geschichtsstunde wird. Warum begegnet einem Kastanie bei Scotch praktisch nicht? Was macht das porösere Holz bei der Reifung? Und warum hat man früher überhaupt Spirituosen in Holzfässer gesteckt, wenn Amphoren doch auch irgendwie funktioniert haben? Plötzlich sind wir bei Kelten, Galliern, Römern, Schwarzbrennern und Schiffsreisen angekommen. Whisky-Podcast halt.
Nebenbei entwickelt sich Hendriks Ausbildung vom Bauern langsam Richtung Försterbauer weiter. Amerikanische Weißeiche, Mizunara, Kastanie – irgendwann stellen wir ihn einfach in eine Baumschule und schauen, was passiert. Zur Sicherheit darf er die Bäume vorher auch ablecken.
Natürlich beschäftigen uns außerdem wieder die entscheidenden Details des Whiskyalltags: ein Kunstkorken ohne Plopp, eine Flasche, die sich anschließend kaum wieder schließen lässt, die offizielle Grab-the-Glass-Farbe „Orange mit Dreck“ und die Frage, ob nur der Würdige überhaupt in der Lage ist, den Kastanienwhisky ein zweites Mal zu öffnen.
Zwei Whiskys aus Unterfranken, drei klassische Fasstypen, neun Jahre Kastanie und deutlich mehr Fassgeschichte, als wir zu Beginn geplant hatten.
Und Hendrik musste dafür nicht einmal bis Folge 303 warten.
Grab the Glass!
Heute in “Folge 303”, die eigentlich Folge 226 ist
- Jobst Single Malt Whisky RED – 6 Jahre
- Jobst Single Malt – Kastanienfass, 52,3 %
Jobst Single Malt Whisky RED – 6 Jahre
- Gummibärchen
- helle Früchte
- Traube
- Vanille
- Honig
- Karamell
- leichte Sherrynoten
- fruchtige Süße
- Karamell
- Honig
- reife Kirschen
- tropische Früchte
- Malz
- zunehmend Eiche
- mittellang
- würzig
- trockenes Holz
- Vanille
- leichte Nussigkeit
- dezente Fruchtsüße
Jobst Single Malt – Kastanienfass, 52,3 %
- Vanille
- Zimt
- Trockenfrüchte
- Honig
- dunkle Holztöne
- leichte Kräuternoten
- dezente Ledernote
- Trockenfrüchte
- Honigsüße
- kräftiges Kastanienholz
- nussige Würze
- dunkle Früchte
- deutliche Tannine
- leicht herbe Kräuternoten
- lang
- trocken
- herb
- tanninreich
- würziges Holz
- Trockenfrüchte
- nussige Noten