Nach einer neutralen und einstimmigen Abstimmung hat sich der Whiskey Podcast entschieden, mal wieder eine Schweizer Folge aufzunehmen. Wir tasten zwei neue Whiskeys aus altbekannten Destillen (aus Folge 15 – Wilhelm, Tell Us Something About Whisky) und schwelgen in Nostalgie über Kassetten und Schallplatten. Der Föhnsturm, den wir als Erstes heute tasten, hat mit seiner Flaschenform sofort Silvis Aufmerksamkeit. Weinnoten schlagen uns entgegen, während der Geschmack nach anfänglicher leichter Süße mit Tabak abgerundet wird. Eine Überraschung für uns alle! Auch das Design der zweiten Flasche Whisky ist besonders – vor allem aber der Verschluss gibt uns Rätsel auf. Wie öffnet man die Flasche bloß? Nach dem Öffnen schlagen uns Vanillenoten mit hellem Fruchtkompott und Kuchen entgegen. Leichte Holznoten und weniger Schärfe runden den Whiskey ab. Warum wir so begeistert sind und warum die Schweizer so viele Bunker haben, erfahrt ihr in Folge 59 – Made in Switzerland!
Whisky aus der Schweiz
- Säntis Malt Föhnsturm
- Langatun 2010 Sauterness Cask Finish
Säntis Malt Föhnsturm
- Holz
- Fruchtwein
- Rosinen und Orangenschalen
- Holz
- etwas herbes Aroma
- getrocknete Früchte
- ein Hauch von Vanille
- mittellanges Finish
- intensiv
Langatun 2010 Sauterness Cask Finish
- süßes Weizenaroma
- Toffee
- Wein in der Nase
- Brauner Zucker
- Nektarinen
- Minze
- Toffee-Bonbon
- gediegenes Finish
- Gebackene Banane
- eine Spur Honigmelone
Destillerie(n) der Folge im Überblick
SÄNTIS MALT
Inhaber
Familie Locher (Brauerei Locher AG)
Gründungsdatum
1999 (Whisky-Produktion)
Ø Liter Whisky pro Jahr
Nicht öffentlich bekannt
Master Distiller
- Karl Locher
Dauerbrenner (Core Range)
- Edition Dreifaltigkeit
- Edition Himmelberg
- Edition Sigel
Die Geschichte von SÄNTIS MALT ist untrennbar mit der Brauerei Locher in Appenzell verbunden. Die Brauerei selbst blickt auf eine lange Tradition bis ins Jahr 1886 zurück und wird heute in der fünften Generation von der Familie Locher geführt. Die Idee, Whisky zu brennen, entstand, als 1999 das Schweizer Gesetz, welches die Herstellung von Spirituosen aus Getreide verbot, aufgehoben wurde. Karl Locher, der visionäre Kopf der Brauerei, sah sofort das Potenzial und begann noch im selben Jahr mit den ersten Destillationsversuchen. Im Jahr 2002 kam der erste Säntis Malt Single Malt auf den Markt und markierte damit den Beginn einer neuen Ära für das traditionsreiche Unternehmen und einen Meilenstein für die Schweizer Whisky-Landschaft.
Die grosse Besonderheit von SÄNTIS MALT liegt in der einzigartigen Reifungsmethode. Anstatt wie üblich auf ehemalige Bourbon- oder Sherryfässer zu setzen, verwendet die Destillerie primär alte Bierfässer aus Eichenholz, die über 100 Jahre alt sein können. In diesen Fässern wurde zuvor das hauseigene “Eichenfassbier” gelagert. Dieser Prozess verleiht dem Whisky ein unverwechselbares, würziges und komplexes Aroma mit Noten von Malz, Holz und einer subtilen Fruchtigkeit, die ihn klar von schottischen oder irischen Whiskys unterscheidet. Das verwendete Wasser stammt aus dem Alpstein, einer Gebirgsgruppe des Appenzellerlandes, was zur Reinheit und zum charakteristischen Geschmack des Whiskys beiträgt.
Als einer der Pioniere des Schweizer Whiskys hat SÄNTIS MALT massgeblich dazu beigetragen, die Schweiz auf der globalen Whisky-Karte zu etablieren. Die Destillerie hat sich einen Ruf für Innovation und Qualität erarbeitet. Dieser Ruf wurde durch zahlreiche internationale Auszeichnungen untermauert. Der wohl grösste Erfolg war die Ehrung der “Edition Dreifaltigkeit” durch den renommierten Kritiker Jim Murray, der sie in seiner “Whisky Bible 2010” zum “European Whisky of the Year” kürte. Solche Anerkennungen haben die Türen für den internationalen Markt geöffnet und beweisen, dass Schweizer Whisky qualitativ in der Weltspitze mitspielen kann.
Langatun Distillery
Inhaber
Familie Baumberger
Gründungsdatum
2007
Ø Liter Whisky pro Jahr
Nicht öffentlich bekannt
Master Distiller
- Hans Baumberger III
Dauerbrenner (Core Range)
- Old Deer Classic
- Old Bear Smoky
- Jacob’s Dram
Die Wurzeln der Langatun Distillery reichen bis ins Jahr 1857 zurück, als Jakob Baumberger in Langenthal eine Brennerei gründete. Der Name “Langatun” ist die altkeltische Bezeichnung für die Stadt. Obwohl die ursprüngliche Produktion eingestellt wurde, lebte die Tradition in der Familie weiter. Über 150 Jahre später, im Jahr 2007, erweckte Hans Baumberger III, der Urenkel des Gründers, die Destillerie zu neuem Leben. Inspiriert von der Familientradition und angetrieben von seiner Leidenschaft für Whisky, nutzte er die günstige Gesetzeslage nach 1999, um eine moderne Boutique-Destillerie aufzubauen, die sich der Herstellung von hochwertigem Schweizer Single Malt verschrieben hat.
Langatun ist bekannt für einen akribischen und qualitativ hochwertigen Produktionsprozess. Die Destillation erfolgt bewusst sehr langsam und schonend in speziell angefertigten Brennblasen, was zu einem besonders weichen, reinen und fruchtigen Rohbrand führt. Eine weitere Besonderheit ist die Anwendung der dreifachen Destillation, eine Methode, die eher für irischen Whiskey typisch ist und zur aussergewöhnlichen Milde des Destillats beiträgt. Ein grosses Augenmerk wird auf die Fassreifung gelegt. Langatun experimentiert mit einer Vielzahl von Fässern, darunter ehemalige Sherry-, Chardonnay-, und Pinot Noir-Fässer aus den besten Weinregionen Europas. Diese sorgfältige Fassauswahl verleiht jedem Whisky seinen individuellen und komplexen Charakter.
In der noch jungen, aber dynamischen Welt des Schweizer Whiskys hat sich Langatun als eine der führenden Marken etabliert. Die Destillerie wird für ihre handwerkliche Herangehensweise und die kompromisslose Qualität ihrer Produkte hochgeschätzt. Die Whiskys von Langatun gewinnen regelmässig prestigeträchtige Preise bei internationalen Wettbewerben wie der International Wine & Spirit Competition (IWSC) und den World Whiskies Awards. Mit ihrem Fokus auf Eleganz, Komplexität und Finesse hat Langatun bewiesen, dass Schweizer Whisky ein eigenständiges Profil entwickeln kann, das Liebhaber und Kenner auf der ganzen Welt begeistert.